Was du sofort tun kannst, wenn du als Frau nicht ernst genommen wirst

Du wirst nicht ernst genommen, weil du eine Frau bist? Selbst schuld, oder?

Ganz so krass würde ich es jetzt nicht ausdrücken. Dass man als Frau nicht ernst genommen wird ist ein schwerwiegendes Problem und liegt oft noch in der Erziehung der Männer und daran, dass die Gesellschaft tatsächlich immer noch männerdominiert ist.

Du willst ernst genommen werden und das hast du auch verdient. Aber du kannst die anderen Menschen nicht ändern. Alles was du tun kannst ist dich selbst bzw. dein Verhalten zu ändern.

Es wird unbelehrbare Personen geben, die dich niemals ernst nehmen werden, mach dir nichts vor. Dennoch kannst du so einiges zum Positiven verändern, wenn du ein paar Regeln einhältst. Von denen, die dich grundsätzlich übergehen solltest du dich ohnehin einfach abwenden – und wenn’s Obama höchstpersönlich ist!

Übergangen zu werden ist Alltag

Es gibt immer wieder Situationen, da fragt man sich doch: „Steh‘ ich eigentlich im Wald?“ So habe ich zum Beispiel vor einiger Zeit einen Drucker über eine Kleinanzeige gekauft. Mein damaliger Partner hat mich begleitet. Nicht, weil ich ihn gebraucht hätte, sondern eben einfach aus Nettigkeit.

Der Verkäufer des Druckers war ein Mann. Nur um das klar zu stellen: Ich habe den Mann angerufen. Ich bin gefahren. Ich habe den Drucker gekauft und ich habe ihn auch bezahlt!

Mein Begleiter sagte außer „Hallo“ eigentlich kein Wort. An der Tür stand ich vor dem Mann, wollte ihm sein Geld geben und den Drucker mitnehmen. Da fing er an noch ein paar Dinge zum Gerät zu erklären. Aber nicht mir. Nein! Mich ignorierte er einfach gekonnt und sprach die ganze Zeit über direkt mit meinem Begleiter.

In dem Moment war ich wirklich sprachlos. Verärgert übrigens auch. Und ob der Mann es geglaubt hätte, oder nicht, ich bin die Mediengestalterin, die sich mit technischen Geräten auskennt und mein damaliger Partner ist eine Krankenschwester! Nur, um das klar zu stellen.

Solche Situationen erleben wir leider oft. Ein Mann schlängelt sich an der Kasse an dir vorbei, weil er ein cooles Iphone am Ohr hält und natürlich weniger Zeit hat als du. Der Chef oder die Kollegen übergehen dich im Meeting und fallen dir ständig ins Wort. Die Kollegin glaubt dir kein Wort, solange bis ein männlicher Kollege das bestätigt, was du gesagt hast. Ja, das alles erlebe ich beinahe regelmäßig und ich wette, du auch.

Was du dagegen tun kannst

Na klar, die Situationen sind dir sicher bekannt. Was tust du aber nun eigentlich, um solche Situationen zu verhindern oder wenigstens für dich zu entscheiden?

  • Stell dich klar in den Vordergrund
    Wenn dir so etwas passiert wie mir beim Drucker Kauf dann stell dich klar vor den Mann und lenke den Fokus bewusst auf dich. Tu so, als sei es selbstverständlich, dass er mit dir spricht und mit niemandem sonst. Stelle dich deutlich als Ansprechpartner dar, antworte ihm bestimmt oder stelle ihm direkt eine Frage, fall ihm falls nötig ins Wort.
  • Trete selbstbewusst auf
    Grundsätzlich solltest du dein Selbstbewusstsein stärken und gleichzeitig auch dein selbstbewusstes Auftreten. Wenn du dich selbst nicht ernst nimmst, dann macht es auch kein anderer. Also nimm dich selbst wichtig und zeige deiner Umwelt, dass du eine Daseinsberechtigung hast.
  • Übe deine Körperhaltung
    Kennst du den Einfluss deines Körpers auf dein Empfinden? Wenn deine Körperhaltung selbstbewusst ist, dann bist du es auch. Übe am Besten eine solche Körperhaltung regelmäßig zu Hause. Ein fester Stand, ein offener Brustkorb, ein gerader Rücken und Kopf, breite Schultern. Achte darauf, dass du nicht schrumpfst, wenn du jemandem in die Augen siehst, der größer ist als du. Tritt einfach einen Schritt zurück, dann ist dein Nacken wieder ein wenig mehr gerade.Bestimmte Körperhaltungen solltest du dir ohnehin angewöhnen. Dazu hat Karrierebibel mal einen tollen Beitrag verfasst. Schau dir zum Beispiel den „coolsten“ Narzisten im Büro an. Er fühlt sich toll und hält sich für den Besten. Versuche ganz bewusst seine Körperhaltung einzunehmen und sieh zu, was passiert. 😉
  • Sag was du willst
    Jemand drängelt sich an dir vorbei, ein Kollege will dir den Auftrag wegschnappen? Dann sag was du willst. Sag wie immer freundlich und bestimmt: „Bitte stellen Sie sich auch hinten an.“ Oder sag deinem Chef dass dich der Auftrag wirklich interessiert und vielleicht dass du dich schon gefreut hattest, ihn zu betreuen. Sag ihm auch warum du glaubst, dass du das verdient hast.Sag einem Kerl der dich verbal sexuell belästigt, dass das nicht okay ist und dass du sein respektloses Verhalten nicht verdient hast. Manche Männer schrecken dann schon davor zurück, dass eine Frau selbstbestimmt sagt, was sie will und vor allem was nicht.
  • Ruhig aber bestimmt weitersprechen
    Fällt dir jemand ins Wort, dann solltest du erst einmal deine Körperhaltung und den Klang deiner Stimme überprüfen. Wenn das passt sollte dich eigentlich niemand mehr unterbrechen. Also sprich ruhig aber bestimmt weiter. Es bringt nichts jetzt zu schreien, zu stampfen, die Schultern hängen zu lassen oder sonst wie aufzugeben. Das Büro-Leben ist ein Kampf. Der Gewinner ist der, der es schafft sich Gehör zu verschaffen.Ich habe die Erfahrung gemacht dass es durchaus Okay ist, hin und wieder zu sagen „Ich bin noch nicht fertig“ oder „Bitte lassen Sie mich das noch zu Ende führen“. Manche Ratgeber raten sogar dazu kurz „Stopp“ zu sagen, um das Gegenüber aus dem Konzept zu bringen und seine volle Aufmerksamkeit zu erlangen.

    Wenn einer ganz frech ist und einfach weiter spricht, dann würde ich entweder warten, bis er fertig ist und da weiter machen, wo ich aufgehört habe oder – wer es sich traut – mich einfach von ihm abwenden.

  • Wenn du dann von ihm darauf angesprochen wirst kommt wieder dein Selbstbewusstsein zum Einsatz. Sag ihm – ohne beleidigt zu wirken – dass du ebenso wie er ein Recht darauf hast angehört zu werden. Das wichtigste aber ist, egal was du in so einer Situation tust, spiel niemals das Opfer! Regel #1 in der Geschäftswelt.
  • Lass dir nichts anmerken
    Egal wie gemein, diskriminierend, persönlich ein Angriff ist – lass dir niemals anmerken, dass es dich persönlich getroffen hat. Die Jungs von Flow Finder hatten da Mal einen super Tipp, wie du es schaffst über der Kritik zu stehen und sie nicht persönlich zu nehmen.
    Du kannst dich auch Mal mit schwarzer Rhetorik beschäftigen oder dir Tipps suchen um in solchen Situationen schlagfertiger zu werden.
  • Stelle Fragen
    In jedem Gespräch gilt: Wer die Fragen stellt, der hält die Zügel in der Hand. Stelle Fragen, wenn es Sinn macht. Es ist oft auch leicht einen aufgeblasenen Kollegen lächerlich zu machen, indem man die richtigen Fragen stellt.
  • Sei schlau, stell dich dumm
    Da hat die gute Katzenberger wirklich recht, denn – unterschätzt zu werden ist weitaus besser als überschätzt zu werden. Dass du unterschätzt wirst ist wahrscheinlich gar keine Seltenheit und kann auch nerven. Sieh es aber lieber positiv, wenn man nichts von dir erwartet, dann ist jede Leistung um so größer.
    Stell dich außerdem ein bisschen dumm und naiv, wenn du die richtigen Fragen stellst. So ein Chef wird dir dann nämlich unterstellen, dass du gar nicht wusstest, was du da sagst, weil du ja „nur“ eine Frau bist.
  • Rechtfertige dich niemals
    Auch das gehört zu den wichtigsten Regeln, wenn du ernst genommen werden willst. Egal, was dir vorgeworfen wird, du darfst dich nicht rechtfertigen. Das ist extrem schwer zu lernen, aber ich bin sicher, du schaffst das.

Das alles machen die erfolgreichen Männer schon ganz von sich aus, sie lernen Konkurrenzverhalten und das vertikale Sprachsystem schon im Kindesalter kennen, genauso wie die Tatsache, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen. Aber auch du als Frau kannst dich erfolgreich einbringen.

Am Besten einfach Mal beobachten und ein bisschen was von den „mächtigen“ Männern lernen, mit der Zeit klappt das auch ganz gut. Kombinierst du das Ganze wieder mit deinen tollen weiblichen Attributen kommst du ganz bestimmt an die Spitze!

Wirst du auch oft übergangen, weil du eine Frau bist? Möchtest du den Herren der Schöpfung gerne Mal so richtig die Meinung sagen? Ich freue mich über deinen Kommentar. 🙂

Kennst du eine Frau, die diese Tipps gut gebrauchen könnte? Dann leite ihr den Artikel weiter.

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11 Gedanken zu “Was du sofort tun kannst, wenn du als Frau nicht ernst genommen wirst

  1. Das kenne ich auch gut. Zwei Situationen aus meinem Erfahrungsschatz:

    Situation 1: Auf den Malediven scheint es auch so zu sein, dass die Frau ignoriert wird. Ich habe immer die Gespräche geführt, weil mein Englisch etwas besser ist als das meines Mannes. Aber die Damen und Herren dort haben immer ihm geantwortet und ihm die Fragen gestellt. Auf dem Flughafen wollte ich nur wissen, wo die Toilette ist und habe beinahe eine Panik ausgelöst, weil mein Gesprächspartner gar nicht wusste, wie er mir jetzt nicht meine Antwort geben soll. Endete dann in Zeichensprache und Atemnot. Bei meinem Gegenüber versteht sich. 😉 Kuriose Situation, aber anderes Land, andere Sitten.

    Situation 2: Ich habe kürzlich versucht, meinen Hausmeister zu mir zu bemühen, um meine Heizung reparieren zu lassen. Er wollte aber unbedingt, dass ich in meiner Arbeitszeit da bin und ihm die Tür öffne. Dass ich das nicht kann, weil ich eben arbeite und nicht den ganzen Tag zuhause hocke, hab ich ihm mehrfach erklärt. Das hat ihn aber nicht interessiert. Er hat mir ständig über den Mund gefahren und mich völlig abserviert.

    Ist schon immer nicht so einfach. Ich atme dann noch einmal tief durch und versuche noch einmal mein Glück. Aus meiner Heimat kenne ich das nicht: meine Mama meinte gestern zu mir „Weißt du, in der DDR gab es diesen Frauen-Männer-Quatsch überhaupt nicht. Da waren alle gleichbereichtigt – anders hätte das auch nicht funktioniert“. Gut, die DDR ist selten ein gutes Beispiel – aber in dieser Sache lagen sie wohl damals absolut richtig.

    Liebe Grüße, Bine

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    • Hm, ja besonders in anderen Ländern ist das schon schwieriger, ich finde allerdings wenigstens in Deutschland sollte das schon lange nicht mehr so sein!

      Naja und die DDR, da war nicht alles schlecht und viele der Grundgedanken finde ich extrem gut. Allerdings gab es da auch „Frauen und Männer Quatsch.
      Die Berufe wurden ziemlich Geschlechterspezifisch ausgeübt, die der Frauen waren meist auch schlechter bezahlt.
      Außerdem gab es ja auch eine Trennung zwischen den „Pfadfinder-Jungen“ und den „Pfadfinder-Mädchen“ (Ich weiß nicht ob es wirklich die Pfadfinder waren, aber du weißt ja denke ich was ich meine).

      Ich habe diese Probleme allerdings am meisten im Berufsleben, das kann mit der Zeit schon frustrierend sein. Doch auch privat diskutiere ich immer was das Zeug hätl, vielleicht klappt’s ja eines Tages. 😀

      LG

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      • Im Berufsleben kenne ich das auch. Bei mir ist noch ein bisschen schärfer, weil ich in einer männerdominierten Stahlwelt arbeite, jung bin und dann noch mit so nem Quatsch wie Social Media um die Ecke komme. 😉 Aber bisher hab ich das ganz gut im Griff. Man darf sich eben nicht unterbuttern lassen. 😉

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  2. „Sag einem Kerl der dich verbal sexuell belästigt, dass das nicht okay ist und dass du sein respektloses Verhalten nicht verdient hast.“
    Das wäre meiner Meinung nach viel zu defensiv. Dann wirklich lieber vor anderen fragen, was das soll. Das wird ihm peinlich genug sein. Ansonsten kann ein latent aggressives Darauf ansprechen ebenfalls Wunder wirken „Wie kommen Sie/kommst Du dazu, so mit mir zu reden?“ ist – abhängig vom Grad seiner Beleidigung durchaus – meiner Meinung nach – gerechtfertigt.

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    • Hi Marc,

      ich denke zu offensiv vorzugehen kann in so einer Situation auch schon mal nach hinten losgehen. Man muss da schon vorsichtig sein, zumindest, wenn man mit dem „Angreifer“ alleine ist. Mir ging es vor allem darum, dass es absolut richtig ist zu sagen: „So gehts es nicht!“, weil sich viele Frauen das meiner Erfahrung nach gar nicht trauen. Wenn es hart auf hart kommt hilft aber sowieso bloß weglaufen.
      Vielen Männern ist es aber manchmal gar nicht klar, dass ein „einfacher Witz“ eine Frau sexuell belästigen kann. Deshalb ist es wichtig, das auch mitzuteilen, damit der Mann auch weiß, woran er ist und verstehen kann, dass es gar nicht witzig ist, was er da von sich gibt.
      Im Konflikt-Training lernt man zum Beispiel auch, dass man „Stop“ sagen soll bzw. den Angreifer fragen, warum er das überhaupt macht. Das kann das Gegenüber zum Aufhören bringen, weil solche Menschen oft tatsächlich gar nicht wissen, was bzw. warum sie das gerade tun.
      Wichtig ist wie schon gesagt einfach, etwas dagegen zu sagen oder zu tun und es nicht einfach stillschweigend über sich ergehen zu lassen. Wenn man sich zum Beispiel am Arbeitsplatz belästigt fühlt und das Ansprechen nicht funktioniert dann sollte man natürlich schnellstmöglich höhere Instanzen einschalten.
      Ich finde es durchaus auch angebracht, anderen Personen zu zeigen, was die Person macht, da gebe ich dir recht.

      LG Tina

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  3. Dieses „Typische“ Thema hat nichts zu tun, ob man entweder ein Mann oder Frau ist. Das hat mit der Mentalität und Erziehung zu tun. Ausländische Mitarbeiter erleben hier in Deutschland tagtäglich in der Berufswelt die
    oben erwähnten Szenen. Sie werden nicht ernst genommen oder die Argumenten, die sie formulieren, werden nicht für voll genommen, bis „glücklicherweise“ ein deutscher Kollege bzw. eine deutsche Kollegin die Richtigkeit bestätigt. Das ist schlichtweg nicht akzeptabel, denn wir sind alle Menschen mit Würde und haben uns Respekt verdient, egal ob du eine Frau, ein Mann, ein Ausländer, ein ET, usw… bist.

    Gruß

    Antonio Gutierrez

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    • Hi Antonio,

      klar hat jeder grundsätzlich den gleichen Respekt verdient. Aber leider wird das eben in der Realität selten tatsächlich umgesetzt. Das gilt für Ausländer aber eben auch für die spezielle und sehr seltene Gruppe namens Frau 😉

      Hast du selbst schon mit solchem Verhalten im Arbeitsleben Erfahrungen gemacht?

      Liebe Grüße
      Tina

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  4. Hi Tina,
    ja leider. Ich bin berufstätig und schon einige Jahre bei einem großen Unternehmen als Ingenieur angestellt. Die Erfahrungen, die ich selber gemacht habe, sind exakt 1:1 passend zu diesem Thema. Leider kann man diese Problematik insbesonders bei Meetings beobachten. Dort wird jedesmal ein echtes Machtspiel betrieben. Um ein solches Machtspiel überstehen zu können, muss du dir als Mitarbeiter ein dickes Fell zulegen.

    Grüße

    Antonio

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    • Hi Antonio,
      das ist wirklich schade, das sowas immer noch so zahlreich passiert. Wie gesagt, ich mache diese Erfahrungen auch andauernd. Man muss wirklich lernen, sich durchzusetzen und auf die eigenen Grundrechte zu bestehen. Vielleicht hast du ja auch ein paar Tipps, wie man mit so etwas besser umgehen kann?

      Ich wünsche dir für die Zukunft auf jeden Fall alles Gute!

      Übrigens ist mein Blog am Anfang diesen Jahres umgezogen. Die aktuellen Beiträge gibt es nur noch unter: http://www.beselfblog.de

      Liebe Grüße

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  5. Ganz ehrlich, ich finde der Punkt „Sei schlau, stell Dich dumm“ ist absolut destruktiv und erzeugt genau das Gegenteil von Ernst genommen werden. Klar, bekommt man dadurch evtl. seinen Willen, aber ernst wird man als Frau so nicht genommen. Man erniedrigt sich damit selbst und erfüllt damit das Bild vom „dummen“ Frauchen, das die Hilfe des tollen Mannes benötigt.

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