Sesam öffne dich

Versteckst oder verstellst du dich? Warum du dich öffnen und einfach du selbst sein solltest.

Manche Menschen sind ganz unverblümt und sagen einfach drauf los was sie denken. Sie zeigen sich einfach ganz so wie sie sind und wollen sich nicht verstellen, nur weil bestimmte Menschen in der Nähe sind.

Vor kurzem erzählte mir eine Freundin eine Anekdote aus der Reha. Eine Patientin fragte aus dem Bauch heraus den Chefarzt ob er denn nicht ganz hetero sei. Jeder dachte es, nur eine traute sich zu fragen. Super, sage ich nur! 🙂

Ich selbst bin ein sehr offener Mensch. Menschen die ich kennen lerne, denen erzähle ich – wenn es zum Thema passt – auch problemlos gleich etwas über meine Macken, oder schlimme Dinge die ich erlebt habe.

Warum ich das mache? Ganz einfach. Erstens sehe ich es nicht ein, warum ich mich anders verhalten soll als ich bin, nur weil etwa der Präsident der Vereinigten Staaten, der Papst oder ein berühmter Manager vor mir stehen.

Trotzdem bin ich nämlich immer noch ich, unabhängig davon was diese Leute von mir denken, oder wer sie sind.

Sozialer Umgang wird leichter

Zweitens hat das Vorteile. Wenn die Personen dich gleich so kennen lernen wie du wirklich bist dann entscheidet sich recht schnell ob ihr etwas miteinander anfangen könnt oder nicht. Wenn sie dich so nicht mögen, wie du dich zeigst, dann brauchst du sie auch nicht.

Außerdem hilft es den Menschen in vielen Dingen dich zu verstehen. Bestimmte Macken, Ängste oder Verhaltensweisen mit denen schwer umzugehen ist erklären sich nämlich durch einige Dinge aus deiner Vergangenheit. Weiß dein Gegenüber was du erlebt hast, dann weiß er auch warum du jetzt gerade so reagierst und kann seinerseits besser reagieren.

Wenn eine bekannte Person von dir zum Beispiel weiß, dass du auf Alkohol emotional empfindlich reagierst weil du ein alkoholkrankes Familienmitglied hast, wird diese Person wahrscheinlich nicht versuchen dich zum Trinken zu überreden oder dich sogar schützen, wenn es jemand anderes versucht.

Das macht den Umgang mit diesen Menschen dann auch für dich leichter. Für beide Seiten eben.

Warum du dich nicht zu schämen brauchst

Früher hatte ich Angst davor auf öffentlichen Toiletten zu pinkeln. Wenn noch eine andere Dame im Raum war, dann kam da einfach nichts raus. Das kennst du vielleicht.

Eine Freundin sagte einmal zu mir: „Paris Hilton sitzt auch nur auf dem Klo, mit hochrotem Kopf und presst.“

Darüber musste ich wirklich sehr lachen, aber auf jeden Fall ist etwas wahres dran. Jeder Mensch – egal wie er nach außen scheinen mag – ist immer ein Mensch und muss manche Dinge tun und hat gewisse Macken.

Jeder ist unter seinen Kleidern nackt, jeder hat als Kind in die Hose gemacht und in der Nase gebohrt und wahrscheinlich jeder hat Sex und masturbiert.

Alle Menschen haben Sorgen, Ängste und Nöte, Schwächen und Fehler und schräge Gedanken.

Wenn dir also ein Mensch begegnet, der dich einschüchtert oder dir sogar Angst macht, dann denke daran, dass er nur ein Mensch ist, so wie du.

Dein Arbeitskollege ärgert dich? Auch er hat wahrscheinlich Freunde – gute Freunde die ihn lieben, die seine guten Seiten kennen und schätzen und könnten wahrscheinlich deinen Ärger ihm gegenüber gar nicht verstehen. Versuche dir das in Erinnerung zu rufen und lass deinen Ärger verfliegen.

Eine Frage des Respekts

Die meisten Menschen meinen, sie müssten sich Respekt durch Macht und Statussymbole „verdienen“. Diesen Ansatz halte ich für völlig falsch. Ich glaube, wenn wir uns alle zu jeder Zeit so gäben wie wir wirklich sind, dann wäre uns klar, dass wir alle zusammen gehören und uns wunderbar ergänzen und jeder Mensch hätte Respekt vor jedem.

Ein Beispiel dass mir gerade dazu einfällt: Männer werden so erzogen dass sie keine Gefühle zeigen und nicht verletzt sein dürfen. Damit glauben sie, bekommen sie Respekt.

Wovor ich aber wirklich Respekt habe ist vor Männern die weinen. Erstens behandelt man niemanden wie ein rohes Ei, von dem man glaubt er hätte keine Gefühle. Zweitens steckt eine immense Kraft dahinter, sich gegen dieses allgemeingültige Klischee und diese gesellschaftliche Konditionierung zu stellen und Gefühle zu zeigen.

Auch wenn die Welt jetzt nicht wie durch Zauberhand ein ganz offener, herzlicher Ort wird – wenn du selbst dich öffnest, dann kann die Welt für dich ein schönerer Ort werden. Genieße dein Leben als die Person, die du bist und in vollen Zügen.

Wie stehst du zu dem Thema? Versteckst du dich oder öffnest du dich? Ich freue mich über dein Feedback. 🙂

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8 Gedanken zu “Sesam öffne dich

  1. HiI! 🙂

    Ich muss sagen, ich bevorzuge es auch, offen zu sein. Ich denke einfach, dass dann auch weniger Missverständnisse entstehen können.

    Männer, die weinen, ist auch ein schönes Beispiel. Ich habe mal meinen Papa weinen gesehen, als sein Vater gestorben ist. Da fand ich es sehr schön, weil ich mich ihm dadurch noch viel mehr verbunden gefühlt habe. Und ich fand es schön, dass er dazu stand.

    In manchen Situationen merke ich aber auch bei mir, dass mir das bei Männern dann doch auf den Keks gehen kann. Aber nicht, weil sie weinen, sondern weil ich selbst nicht so der Typ für ständige Gefühlsduseleien bin. Frauen gehen mir dahingehend also auch gern mal auf den Keks. 😉

    Ich denke, sich zu verstecken bringt niemandem etwas. Warum? Weil du dich nie frei fühlst und auch nie hundertprozentig verstanden wirst. Und das macht auf Dauer keinen Spaß.

    LG, Bine

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    • Hi Bine,

      schön dass du ein offener Mensch bist. 🙂
      Es ist absolut richtig, dass weniger Missverständnisse entstehen. Außerdem lernt man eine Menge über sich selbst und andere, geht auch mal an seine Grenzen und entwickelt sich weiter, wenn man bewusst versucht offener zu sein.

      Was das Weinen betrifft: Wenn die Welt offener wäre, dann gäbe es wahrscheinlich auch nicht mehr so viele Gründe zum Weinen 😉

      Liebe Grüße
      Tina

      Gefällt 1 Person

  2. Interessanter Post. Ich bin auch ein recht offener Mensch und erlebe meist, dass es die situation einfacher macht wenn man zum Beipsiel zugibt nervös oder unsicher zu sein. Dann kann sich mein Gegenüber darauf einstellen und mich kostet es nicht noch zusätzlich Kraft die Fassade zu waren.
    zwei Fragen sind mir dann aber doch beim lesen deines Post in den Kopf gekommen: Wie geht man damit um, dass man sich durch das Öffnen ja auch automatisch verletzlicher macht? Oder was ist wenn man mit seiner Offenheit auf Ablehnung stößt oder irgendwie aneckt? Dass erfordert viel Mut.

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    • Hi Amelie,
      zu deinen Fragen: Verletzlich ist man meiner Meinung nach sowieso – ob man dies nun zeigt oder nicht. Ich habe aber die Erfahrung gemacht dass es trotzdem besser ist, wenn man sich öffnet. In den meisten Fällen gehen andere Menschen dann auch anders mit dir um.

      Dass man durch Offenheit oft auf Ablehnung stößt simmt. Aber mir macht das gar nichts aus. Ich bin da auch ziemlich stur.
      Mir ist es nicht wichtig, dass alle Leute mich mögen und mit mir konform gehen. Im Gegenteil – ich bin in vielen Dingen nicht mit der Allgemeinheit einig und schwimme deshalb sehr oft gegen den Strom.
      Wichtig finde ich bloß zu selektieren, welche Menschen für dein Leben wichtig sind und welche nicht. Die, die dir nicht wichtig sind die müssen auch nicht deine Meinung teilen.

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      • Hi chrideschi,

        du hast Recht man ist so oder so verletzlich. Die Erfahrung, das Menschen dann mit einem anders umgehen hab ich auch gemacht. Meist erlebe ich es sogar, dass sich dadurch mein Gegenüber sich auch eher traut sich zu öffnen.

        Ich hab nur überlegt wie ist es, für Jemanden deinen Post zu lesen der noch nie diese Erfahrung gemacht hat, dass es die Situation einfacher machen oder sogar bereichern kann. Da bedarf es bestimmt viel Mut sich einfach mal zu trauen sich zu öffnen. Aber ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass wenn man es einmal gewagt hat, es beim nächsten mal schon viel leichter ist.

        Für mich ist es schon ein wenig problematisch, durtch meine Offemnheit, auch mal auf ablehnung zu stoßen. Da wohnen sozusagen zwei Seelen in meiner Brust. Zum einen möchte ich gern möglichst authentisch, also einfach ich selbst sein. Zum anderen möchte ich noch immer von allen gemocht werden und möglichst nirgends anecken. das ist so ein Thema an dem ich noch arbeiten muss 😉

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      • Hi Amelie,

        ich würde ja nicht dazu raten offener zu werden, wenn ich nicht die Erfahrung gemacht hätte dass es positive Auswirkungen hat. Man muss eben immer wieder Dinge ausprobieren, „zurück“ ändern kann man es ja immer noch, wenn es doch nicht so gut ist.

        Wegen der Ablehnung kann ich dir nur raten dein Selbstbewusstsein zu stärken und Konfrontationen zu suchen, damit du Übung bekommst. Denn es schadet meist nur dir, wenn du allen gefallen willst. Mach dir klar dass das auch gar nicht geht.
        Am Ende wirst du dich freier fühlen, wenn du ganz zu dir stehen kannst, so viel kann ich dir versprechen.

        Ich wünsche dir viel Erfolg dabei! 🙂

        LG Tina

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      • Hi Tina,

        möglicherweise ist das falsch rüber gekommen. Eigentlich wollte ich deinen Rat sich mehr zu öffen nur unterstreichen und eventuell auch Leuten Mut machen die noch nicht so viel vertrauen in Sich und ihre Fähigkeiten haben.

        Denn ich kann es nachvollziehen wenn man etwas liest und sich denkt: „Die hat ja leicht reden, für sie ist es bestimmt einfach“. Deswegen wollte ich mit meiner Erfahrung sozusagen deine Aussage unterstützen. Wenn du verstehst was ich meine 😉

        Ja an meinem Selbstwertgefühl muss ich noch arbeiten. Auch wenn ich schon riesen Schritte geschafft habe. Aber ich denke sowas ist ein Prozess und alles brauht seine Zeit. Aber zumindest bin ich auf dem weg und bleib nicht stehen 🙂

        LG, Amelie

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      • Hi Amelie,

        für mich war und ist es auch nicht immer einfach. Die besten Dinge im Leben erreicht man oft nur, wenn man Schwierigkeiten überwindet und sich gegen den eigenen inneren Schweinehund stellt.

        Allerdings ist es einfacher, nach den eigenen Grundwerten zu handeln als das Gegenteil zu tun. Wenn man sich selbst wirklich klar macht, was es bringt sich zu öffnen im Gegensatz zu dem, was es kostet wenn man es nicht tut dann sollte man sich dazu durchringen und üben was das Zeug hält. Denn einfacher wird es immer nur durch Üben.

        Dein Selbstvertrauen ist dafür deshalb der Grundstein, weil du es dringend brauchst um dich gegen äußere Schwierigkeiten und Ablehnung von anderen Menschen durchzusetzen damit du am Ende das Beste für dich selbst tust und glücklich wirst.

        Sich auf einmal zu öffnen obwohl man sich in seinem Leben bisher immer verschlossen hat ist alles andere als leicht. Aber wenn man es schafft, dann kann das das Leben erheblich erleichtern. Das ist im Grunde alles was ich mit dem Artikel sagen wollte.

        Ich freue mich natürlich sehr, dass du deine Erfahrungen hier mitteilst und meine Aussage unterstützen willst 😉 Danke.

        Dass du an deinem Selbstwertgefühl arbeitest ist der wichtigste Schritt. Denn es ist besser wenn du es irgendwann „voll“ entwickelt hast als wenn du das nie tust. Aber ich bin sicher du schaffst das.

        LG Tina

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